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12 -July -2020 - 14:24

Gewagt und gewonnen

Heute (17.11.12) ist folgender Bericht in der Elbe-Jeetzel-Zeitung erschienen:

American Football: Wendland-Bulls mit erster Saison zufrieden - Sportlich schwach


koo Lüchow. Ein Wohltätigkeitsspiel war es noch, dann war die Saison für die Wendland Bulls des SC Lüchow zu Ende. Das letzte American-Football-Spiel des Jahres, es brachte eigentlich nichts Neues: eine klare Klatsche und weitere verletzte Spieler.

 Das Team der Wendland Bulls

Die Saisonbilanz dürfte so manchem Sportler graue Haare bescheren: acht Punktspiele, acht Niederlagen, davon vier zu Null. Und doch: Die Bulls sind kein Verlierer des Jahres, nachdem sie ihren sportlichen Traum umgesetzt haben. Nach einem Findungs- und Übungsjahr wagten sie 2012 mit einer im Kreis kaum bekannten Sportart den Sprung in den Punktspielbetrieb. Das klappte: Sie setzten neue Akzente, gewannen viele Fans und Spieler, gründeten ein Cheerleader- und ein Nachwuchsteam, sorgten überregional für Interesse und haben Football im Kreis erst einmal verankert. Nicht nur sportlich darf daher das erste Jahr richtige Bulls-Jahr bilanziert werden, meint auch die SCL-Vorsitzende Petra Haacke: »Sie sind ein Gewinn für den Verein». Fazit: Die Bulls sind zufrieden, denn sie haben viel gewagt - und viel gewonnen.

Sportlich war es allerdings zumeist katastrophal. American Football ist nicht so einfach wie vorgestellt, merkten die jungen Bulls-Spieler schnell, die eines der erfolglosesten Football-Teams des Jahres im deutschen Punktspielbetrieb waren. »Nur die Ausrüstung anziehen und spielen geht nicht», bilanziert Trainer John Workman. 2011 spielten die Bulls noch Flag-Football - eine sanfte Variante des Sports. Vergangenen Winter stiegen die 2010 gegründeten Bulls auf American Football um. Workman als international erfahrener Coach betrieb mit den Bulls Grundlagentraining, holte sich zudem im Laufe der Saison weitere Trainer hinzu, die ihn und die trainingsfleißigen Spieler unterstützen. Gute Ansätze seien nun vorhanden, so Workman - mehr aber bisher nicht. Noch fehle Erfahrung, Technik, Spielverständnis - kein Wunder, denn das Team besteht fast nur aus Anfängern. Auch in puncto Fitness müsse es zulegen - noch könne die Mehrzahl der Spieler nicht richtig gegenhalten. Auch die hohe Zahl verletzter Spieler während der Saison rühre daher.

Solch eine Startsaison sei für Neueinsteiger in einer komplexen Sportart wie Football aber nicht ungewöhnlich, wissen die Bulls. Die Blue Wings Wolfsburg hätten beispielsweise drei Jahre für den ersten Sieg benötigt. So lange werde es wohl bei den Bulls nicht dauern, hätten Trainer anderer Clubs Workman Mut gemacht. Und er ist nicht unzufrieden, denn die Bulls »haben als Team funktioniert und besitzen den Willen, sich zu verbessern». Zudem spielen die fleißigen Footballer »mit Herz». Nun müssen seine »Weekend-Warrior», wie Workman seine Spieler gerne nennt, Football »nur noch verinnerlichen» - und das benötige eben Zeit.

So sportlich desaströs das Jahr war, so gelungen waren die Auftritte der Bulls. Knapp 2500 Zuschauer in vier Heimspielen - von solchen Zahlen träumen andere hiesige Mannschaften oder Footballteams. Sogar ein Fernsehteam lockte der Saisonstart der Bulls im April an. Das Ziel des Teams, Football in Heimspielen als ein Event mit Sport und Show zu kreieren, ging auf. Gerne sahen die Zuschauer krachende Zweikämpfe, weite Pässe oder Laufduelle - Neugierde auf das Neue kam hinzu.

Klotzen statt kleckern war dabei das Motto bei der Werbung - auch das funktionierte, freut sich Florian Mehrwald als Marketing-Leiter der Bulls. Neben klassischen Werbemethoden wie Flyern und Plaketen rührten die SCL-Footballer im Internet kräftig die Werbetrommel - das dürfte für manch anderes Team im Kreis nachahmenswert sein. Auch die Heim-auftritte mit Musik, Tribüne oder Einlauftunnel kamen an. »Das war für uns ziemlich beeindruckend, was da los war», staunt auch Spartenleiter Dustin Jurk beim Rückblick noch gerne.

Dabei war das für ihn und seine Mitstreiter in der Abteilungsleitung ein Sprung ins kalte Wasser. »Football ist bei uns eine Randsportart, daher war alles nur schwer zu planen», so Jurk. »Das war eine lange und harte Saison, weil wir crashkursartig gelernt haben und viel kurzfris-tig organisieren mussten.»

Und die Bulls sind ein hohes finanzielles Risiko gegangen. Rund 45000 Euro kostete die erste Saison, da die Sparte fast alles anschaffen musste wie Tore oder Spielerausrüstungen - 400 Euro kostet eine. Fahrtkosten oder Schiedsrichtergelder waren auch hoch. Viele Sponsoren griffen den Neulingen aber unter die Arme. Rund 20000 Euro liehen zudem die Rehabilitations- und Behindertensportsparte (RBSA) und der Stammverein den Footballern, die das Geld in Raten zurückzahlen. Über 13000 Euro gaben die Bulls-Spieler zudem selbst dazu und sammelten bei den Heimspielen über 5000 Euro Spenden. Die zweite Saison wird aber deutlich billiger für die SCL-Sparte. Mit über 40 in diesem Jahr gewonnenen Mitgliedern kommen zudem mehr Beiträge in den Club, und die zuschauerträchtigen Auftritte der Bulls sorgten für weitere Sponsorengelder.

Jurk gibt aber zu: Der Druck sei groß, und die Arbeit in punc-to Werbung oder bei Heimspielen immens gewesen, vom Training ganz zu schweigen. Aufgeben kam für ihn, Mehrwald oder Workman aber nie in Frage, die Resonanz bei Heimspielen sei zudem ein schöner Lohn. »Und durch den Stress sind wir noch mehr als Team zusammengewachsen», so Jurk.

Das bestätigt die SCL-Vorsitzende Haacke. »Die Jungs halten zusammen und wollen immer besser werden», lobt sie. Natürlich seien die Ausgaben der Startsaison nicht in einem Jahr wieder reinzuholen. Die Bulls machen aber viel mit Initiativen wett, packen im Verein mit an, sorgen für frischen Wind und übernehmen Aufgaben, betont Haacke - zwei der fünf SCL-Vorstandsmitglieder sind zum Beispiel Footballer. Für den Kreissportbund-Vorsitzenden Hans-Jürgen Bosselmann sind die Bulls eine »Bereicherung der Sportlandschaft». Für ihn ist beeindruckend, wie junge Leute mit einem »mutigen Neuanfang ihren Sport betreiben» und eine Lücke gefüllt haben. Und Bosselmann erkennt hoch an, »wie sie mit Niederlagen gut umgehen».

Auch außerhalb der Kreisgrenzen haben die Bulls für Aufsehen gesorgt. »Die Resonanz in Lüchow hat die Gegner beeindruckt», bemerkte Workman. Um das Interesse hoch zu halten, müssten die Bulls ihre Heimevents verbessern. »Das war noch ein bisschen lasch». Man sei aber auf einem guten Wege. Und Workman will in der Winterpause mit dem Team ab sofort hart arbeiten. »Nun geht es wieder richtig los», ist der Coach weiter voller Tatendrang.

Vielen Dank an A. Koopmann und die EJZ!


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